Naturbilder Digital

Drei Freunde auf erster Fototour

April 2007

(Thomas Brocher)

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Drei Freunde? Wer sind die drei?
Thomas Brocher (40) aus Mönchengladbach, Frank Düring (45) aus Dormagen und Ralf Lock (46) aus Düren.
Die Naturfotografie begeistert uns seit Jahren, vor allem durch Berichte und Fotos der bekannten Profis. Nur meist findet man Aufnahmen ferner Ziele in Afrika oder Übersee. Sicherlich mehr als reizvoll aber für uns als Familienväter nicht finanzierbar.
Also beschränkten wir uns bei den Planungen auf Fotoziele in Deutschland.
Die Wahl fiel schnell auf Helgoland. Bereits ca. 8 Monate vor dem Reisetermin begannen die Planungen für diese einwöchige Tour.
Die Vorfreude stieg immer mehr und wir konnten es kaum abwarten. Leider mussten wir feststellen, dass sich anscheinend viele Naturfotografen als Geheimnisträger fühlen und wenig über optimale Fototipps erzählen. Dem wollen wir mit diesem Bericht etwas entgegenwirken und anderen Fotografen helfen, welche sich vielleicht nicht zu einer solchen Tour trauen.

 

 

 

 

 

 

 

 

_T_B9106_kIn Gesprächen mit anderen Fotografen fanden wir schnell heraus, dass eine Woche Helgoland relativ lang zu sein schien. Kurzerhand wurde die Woche geteilt und für die Rückfahrt nach 4 Tagen ein Schwenk über den Harz eingebaut. In vorher geführten Telefonaten mit den örtlichen Nationalpark-Ranchern stellte sich heraus, dass die Ilse zahlreiche Motive bieten soll, sowohl Wasseramseln als auch schöne Bachläufe.
Unterkünfte waren außerhalb der Ferienzeit schnell und kostengünstig gefunden. Auf Helgoland buchten wir eine kleine Ferienwohnung im Oberland. Für den Harz viel die Wahl auf Ilsenburg, eine kleine Ferienanlage direkt an der Ilse.
Die Zeit bis zur Abfahrt war kaum auszuhalten. Wie wird das Wetter? Passt es schon Ende April? Finden wir wirklich die Motive die in unseren Köpfen spuken und uns wenige Tage vor Abreise kaum schlafen ließen?
Schon an dieser Stelle sei verraten, es passte wirklich alles, … Wetter, … Motive, … Freundschaft! Selbst ein Getriebeschaden beim Fahrzeug 2 Tage vor Abfahrt warf uns nicht aus der Bahn.

 

 

Und endlich war er da, der Tag der Abfahrt. In der Nacht ging es los, denn die Atlantis legte bereits um 10:30 h in Cuxhaven ab. Die Überfahrt war völlig problemlos, die See ruhig und wir wurden von der Helgoländer „Attraktion“, dem Ausbooten, verschont. Ausbooten bedeutet, dass in der Hauptsaison ab 01.05. eines jeden Jahres die Passagiere nicht direkt mit dem Schiff in den Hafen fahren, sondern vor Helgoland in kleinere Boote umsteigen müssen. Alles kein Problem, wie man uns versicherte. Trotzdem waren wir froh, dies mit der schweren und teuren Ausrüstung nicht mitmachen zu müssen.

comp_Austernfischer_001Auf Helgoland angekommen ging es per Pedes mit komplettem Gerödel bis zum Aufzug und hinauf ins Oberland. Nach wenigen Metern hatten wir unsere Wohnung erreicht. Schnell wurde das Nötigste ausgepackt und sofort ging es zur Auskundung los. Neben der langen Anna mit Lummenfelsen war schließlich noch die Nachbarinsel Düne unser erklärtes Ziel.

Am Infostand im Hafen erfuhren wir, dass an diesem Samstag das letzte Schiff erst um 20:00 h von der Insel Düne zurück nach Helgoland fuhr, an allen anderen Tagen unseres Aufenthalts leider schon um 18:00 h. Schnell ist der Entschluss gefallen, das nutzen wir aus! Die Fotoausrüstung war schnell gepackt und für 4,- € ging es ab auf die Düne.
Motive der Seehunde und Kegelrobben durften unsere Speicherkarten füllen. Wir hatten schon gehört, dass die Tiere problemlos zu fotografieren sind. Was wir dann antrafen haben wir aber doch nicht erwartet. Völlig unbeeindruckt von uns machten sie die nettesten Gesten und unsere Finger zuckten bei jeder Bewegung abwärts auf die Auslöser. Einfach grandios.

 

 

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Zurück auf Helgoland wurden umgehend die Bilder gesichtet, aussortiert und doppelt gesichert.
Übrigens sahen in der Woche unsere „Arbeits-/Freudentage“ immer ähnlich aus. 06:00 h aufstehen, ein bisschen zum Frühstücken eingepackt und los zu den Motiven. Die grelle Mittagssonne meidend wurde diese Zeit zur ersten Bildbearbeitung und für das relativ karge Mittagessen genutzt. Nachmittags wieder raus zum fotografieren, Abends abermals aussortieren und sichern. Danach ins Restaurant und eine vernünftige Mahlzeit mit ein paar Bierchen zwischen die Kiemen geschoben. Geschirr gespült wurde nur 3x während der Woche, das reichte wirklich für eine Männertour. So kamen wir täglich auf höchstens 6,5 Stunden Schlaf, der Rest war Freude pur. Drehte sich doch alles um unser Hobby, die Naturfotografie.

 

 

 

 

 

Am nächsten Morgen orientierten wir uns in Richtung Lummenfelsen, nach ca. 25 Minuten Fußmarsch waren wir vor Ort. Eigentlich rechneten wir mit einem Fotografenansturm und waren mental auf Schlimmste eingestellt. Dort angekommen haben wir uns stark gewundert, kein Fotograf da. Nur Motive ohne Ende und wir.
Die Bedingungen waren perfekt, starker Wind von links, die Sonne ging gerade auf und tauchte die Kuppe in ein wunderbares Licht. Bedingt durch den starken Gegenwind kamen die Tölpel langsam ins beste Licht geflogen. Die Verschlüsse unserer Kameras hatten eine Menge zu tun, ständiger Flugverkehr der Tölpel forderte unsere volle Konzentration. Dazu balzen, zanken, starten, landen, es wurde alles geboten.
Bei immer höher steigender Sonne wurde das Licht langsam schlechter zum fotografieren. Wir beschlossen zurück zu gehen und begierig unsere Ausbeute zu bestaunen. Erst jetzt bekamen wir Gesellschaft durch andere Naturfotografen, großzügig überließen wir Ihnen die harten Kontraste und räumten das Feld. Das gleiche passierte jeden Morgen, wir wunderten uns schon stark, sind Naturfotografen doch als Frühaufsteher bekannt.
Erst zu Hause erzählte mir ein anderer Naturfotograf, dass der Lummenfelsen Nachmittags für sein schönes Licht bekannt ist. Diese These können unsere Bilder sicher sehr gut widerlegen.

In den weiteren Tagen wechselten wir zwischen Düne, Oberland und Lummenfelsen. Also zwischen Robben, Singvögeln und Seevögeln. Auf Chip gebannt haben wir auf Helgoland folgende Tierarten: Seehunde, Kegelrobben, Basstölpel, Trottellummen, Silbermöwen, Austernfischer, Steinwälzer, Sandregenpfeifer, Sanderling, Brandseeschwalbe, Mönchsgrasmücke, Rotkehlchen, Steinschmätzer, Star und verschiedene Drosselarten.

_T_B2454-01_kMittwochs stand die Weiterfahrt zu unserem 2. Ziel an, dem Harz. Zum Glück war das Schiff fast 1 Stunde früher als erwartet wieder in Cuxhaven und wir trafen schon gegen. 22:00 Uhr in unserer schönen und geräumigen Ferienwohnung in Ilsenburg ein.
Welche Kontraste im Gegensatz zu Helgoland. Auf der einen Seite offenes Meer, windig und kühl, auf der anderen Seite dichte Vegetation, windstille und warm.
Selbstredend, dass wir uns bereits um 07:00 h die erste Wasseramsel vornehmen wollten. Das Glück war uns hold, denn direkt an einer ständig von Wanderern benutzten Brücke hatte ein Paar sein Nest in einem alten Kanalrohr neben einem kleinen Wasserfall angelegt. Sofort packten wir aus und bezogen Stellung. Die Aufnahmen des Nestes machten wir aus gebührender Entfernung. Emsig flog dieser schwimmende Singvogel ein und aus. Dabei kamen sie wunderbar auf einen Felsvorsprung im Wasserfall und ließ sich gerne von uns fotografieren. Sicherlich waren die Tiere so nahe am Wanderweg, direkt an einem Hotel Kontakt mit Menschen gewohnt. Das einzige was uns Probleme machte war das Licht. Durch den tollen Frühling befanden wir uns unter einem ziemlich dichten Blätterdach. 1/90 Sekunde bei ISO 640 zu erreichen war fast unmöglich, meist waren die Zeiten deutlich länger.

 

FD_07_1585wNachdem wir unsere Aufnahmen im Kasten hatten, entdeckten wir einen sehr regen Zaunkönig. Dieser hatte ebenfalls nichts gegen ein paar Fotos unsererseits.
Auch hier im Harz mieden wir das harte Mittagslicht und widmeten uns abermals der EBV. Für Nachmittags einigten wir uns schnell auf eine kleine Wanderung zu den Ilsefällen. Mit kleinerem Fotogepäck und Stativ stiegen wir hinauf, immer dem herrlichen Ilse-Wasserlauf entlang. „Ilse“ erinnerte uns an die kleine Ohe im Bayerischen Wald.. Dabei faszinierte uns immer wieder die Landschaft und Vegetation am Wegesrand, so hielten wir für zahlreiche Aufnahmen inne.

 

 

 

 

 

_T_B2239-01_kNetterweise präsentierte uns die Ilse ein weiteres Highlight, einen Feuersalamander. Dieser durfte keinesfalls unfotografiert bleiben.
Die nächsten Tage verliefen ähnlich spannend. Zu den Ilse-Motiven gesellten sich die verschiedenen Tierarten Buchfink, Amsel, Zaunkönig, Maus und Wasseramsel, die alleine schon ca. 60% unserer fotografischen Aktivitäten im Harz beanspruchte. Auch das Umland mit zahlreichen blühenden Rapsfeldern wurde in unsere Fotogestaltung einbezogen.
Die Rückfahrt startete 1 Woche nach unserer Abreise.
Ist jetzt schon alles vorüber? Ja leider, denn wir hätten es noch lange ausgehalten. Aus unserer Sicht ist ein Profi-Naturfotograf zu beneiden, sich 14 Stunden am Tag seinem Hobby zu widmen ist einfach grandios.

 

 

 

comp_Rapsfeld_001Für uns stand nach tausenden von Aufnahmen fest, dies war nur der Beginn der Fototouren der 3 Freunde.
Im nächsten Jahr sind wir wieder unterwegs, da geht es zu Landschaftsaufnahmen in die Dolomiten und ins Allgäu.

 

 

 

 

 

 

Hier sind noch ein paar Bildchen der Tour. Diese und noch viele andere können Sie auch in unseren Galerien in besserer Auflösung sehen !

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