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AF-Feintuning

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EOS 7D Praxis – AF Feintuning

19.10.2009

AF-Einstellungen für Fortgeschrittene

Canon hat der 7D nicht nur einen komplett neuen Autofokus spendiert, sondern auch 2009_10_10-0006_7DKonfigurationsmöglichkeiten für diesen, wie es sie bisher in keiner anderen Kamera dieses Herstellers unterhalb der 1D-Modelle gab. Das ist natürlich positiv, wenn man sich mit diesen Einstellungsmöglichkeiten befasst und die Kamera so den eigenen Möglichkeiten anpasst. Nun ist kein Käufer eines solchen High-Tech-Boliden gezwungen, tatsächlich an allen Reglern zu drehen und die 7D in allen Einzelheiten zu optimieren,
aber: ein wenig schade wer es schon, wenn man es nicht tut und Fähigkeiten der Kamera ungenutzt brachliegen. Die Möglichkeiten zur Anpassung des Autofokus-Verhaltens an den Nutzer verbergen sich in den “Custom Functions” III “Autofokus/Transport”.
Ich beschreibe hier nur die Optionen, die an der 7D neu oder vorher eventuell nur an den 1D-Kameras von Canon vorhanden sind.

Hier nun im Einzelnen:

C.Fn III / 1 “AI Servo Geschwindigkeit”
Entgegen der Bezeichnung der hier einstellbaren Funktion ändert sich nach meinen Versuchen keineswegs die eigentliche Schnelligkeit des Servo-Autofokus, also die Maximalgeschwindigkeit, mit der das AF-Modul ein Objekt verfolgen kann. Diese Geschwindigkeit bleibt gleich. Es wird statt dessen eine gewisse Latenz bei der Reaktion auf Geschwindigkeitsänderungen eingebaut. Fünf verschiedene Einstellmöglichkeiten von “Langsam” bis “Schnell” sind hier möglich.
In der langsamsten Variante gibt es eine deutliche Verzögerung, wenn es eine starke Veränderung in der Geschwindigkeit des bewegten Motives gibt, das die 7D erfasst hat. Dieses Verhalten lässt sich am besten an einem kleinen Versuch ausprobieren und erklären.
Ein im Abstand von circa einem Meter oder weniger befindliches Objekt wird mit der 7D in den Fokus genommen. Bei Einstellung “Schnell” reagiert die Kamera sofort auf jede kleinste Vor- und Zurückbewegung der Kamera. Es wird sofort und ohne Verzögerung das Objekt – in meinem Versuch eine Getränkeflasche – nachfokussiert.
Nun wird die Einstellung “Langsam” gewählt und das Verhalten ändert sich grundlegend. Bei konstanten Bewegungen hält der AF das Motiv nach wie vor immer im Fokus. Aber sobald sich diese Bewegung ruckartig verändert – was in diesem Fall sinnvollerweise nur beschleunigt heißen kann – legt der AF die gewünschte Unterbrechung ein. Die Dauer dieser Unterbrechung ist das, was in dieser “C.Fn” verstellt wird. Nach dieser Pause, die klar zeitlich festgelegt ist und sich nicht durch die gerade stattfindende Bewegung des Motives oder der Kamera beeinflussen lässt, versucht der AF mit voller Geschwindigkeit, das Motiv wieder in den Fokus zu nehmen.
In der Praxis ist diese Konfiguration meiner Meinung nach sehr interessant für alle Motive, bei denen viele bewegte Objekte vorhanden sind. Das kann das eine Zebra in der großen Herde oder ein Rennwagen zwischen anderen sein. Die Einstellung “langsam” verhindert, das ein Objekt, welches “durch das Bild flitzt”, also das fokussierte Motiv kurz überdeckt, den Fokus vom Motiv ablenkt. Erforderlich ist allerdings, das sich das Motiv selbst nur konstant bewegt.
Für meine Bilder, bei denen ich den AI Servo Autofokus benutze, wähle ich fast ausschließlich eine hohe Geschwindigkeit, weil Tempoänderungen des Motives wahrscheinlicher als störende Objekte vor dem Hauptmotiv sind.

C.Fn III / 2 “AI Servo Priorität 1./2. Bild”
Diese “Custom Function” und ihre vier Einstellmöglichkeiten kann ich nur theoretisch erklären, da die Unterschiede zwischen den Optionen so fein sind, das zur echten Unterscheidung ein sehr komplizierter Versuchsaufbau nötig wäre. Die Auswirkungen spielen sich wohl im Millisekundenbereich ab und sind bei den meisten fotografischen Aufgaben nicht spürbar.
In der Bedienungsanleitung der 7D verwendet Canon vier verschiedenen Begriffe für die Einstellungen dieser Funktion. Bei genauer Betrachtung stellt sich aber heraus, das es sich eigentlich nur um zwei verschiedene Eigenschaften handelt, die der Hersteller aber für das erste Bild oder die weiteren Bilder (“2.Bild”) anders benennt. Die beiden eigentlichen Möglichkeiten sind “Auslöser” (1.Bild) und “Transportgeschwindigkeit” (2.Bild) als Synonym für hohe Bildgeschwindigkeit durch Auslöserpriorität sowie “AF-Priorität” (1.Bild) und “Nachführpriorität” (2.Bild) als Beschreibung für die Bevorzugung des Fokussierens vor der Bildrate, also Schärfepriorität.
0:”AF-Priorität/Nachführpriorität”
Dies sollte für die meisten Anwendungen die richtige Einstellung sein. Für das erste und jedes weitere Bild hat die Fokussierung Priorität vor dem Auslöser und vor der Seriengeschwindigkeit. Die 7D ist also im Klartext vor allem bemüht, das Motiv im Fokus zu behalten.
1:”AF-Priorität/Transportgeschwindigkeit”
Für das erste Bild setzt die Kamera wieder alle Ressourcen zur Fokussierung des Motives ein. Für die weiteren Aufnahmen werden diese Ressourcen aber eingeschränkt, um eine möglichst hohe Serienbildgeschwindigkeit zu erreichen. Sie fokussiert also eher ungenauer, hält aber die Bildrate auf höchst möglichem Niveau.
2:”Auslösung/Transportgeschwindigkeit”
Keine Gnade – es wird sofort beim ersten Bild ausgelöst und danach mit Höchstgeschwindigkeit weiter in Reihe gefeuert – ohne Rücksicht auf die Fokussierung
3:”Auslösung/Nachführpriorität”
Für das erste Bild nimmt die 7D keinen Rücksicht auf die Fokussierung, sondern nimmt sofort nach drücken des Auslösers das erste Bild auf. Für die weiteren Bilder hat aber der Fokus Priorität.
Ich benutze in der Praxis generell nur Option “0″, da ein korrekter Fokus auch beim ersten Bild immer absolute Priorität hat. Für Sportjournalisten und ähnliche Berufsgruppen kann es natürlich wichtig sein, überhaupt genau die richtige Millisekunde zu treffen, auch wenn das Bild leicht fehlfokussiert ist. Dann ist natürlich einen Option mit Auslöserpriorität beziehungsweise Nachführpriorität zu wählen.

2009_10_17-0017_ADAC-GT-MastersBild links: bei plötzlichen Ausritten oder Unfällen im Motorrennsport wird der AF eher gefordert, als bei normalen Fahrbewegungen. Hier ist einfach “Speed” alles, um sofort auf solche Ereignisse reagieren zu können!

 

 

 

 

 

 

 

C.Fn III / 3 “AI Servo AF Nachführung”

Diese Funktion klingt zunächst der “C.Fn III / 1″ verdächtig ähnlich und tatsächlich behandelt sie auch ein ähnliches Verhalten. Während aber bei der anderen Funktion die Reaktion aller aktiven AF-Messfelder in allen fünf möglichen AF-Messfeldwahlmodi beeinflusst wird, geht es hier ausschließlich um das Hauptfokussierungsfeld im Nachführungsmodus. Dieses Hauptfokussierungsfeld ist in den Wahlmodi “Automatische Wahl 19 AF-Felder” sowie “AF Erweiterung” das vom Fotografen festgelegte AF-Startfeld. Im Modus “Zonen-AF” gibt es eine solches Startfeld nicht, hier beeinflusst die Funktion das gerade aktive AF-Messfeld.
Wenn durch Nachführung der Fokus vom AF-Startfeld (oder Hauptfokussierungsfeld) an ein anders AF-Feld übergeben wurde und sich nun ein zweites Motiv, das näher zur Kamera liegt, vor das Startfeld schiebt, muss die Kamera eine Entscheidung treffen, auf was sie nun fokussieren soll. Hat das alte Motiv, obwohl es nicht mehr unter dem angewählten Haupt AF-Feld liegt, Priorität oder das neue? Diese Entscheidung wird mit der Einstellung der “C.Fn III / 3″ festgelegt:
0:Hauptfokussierungsfeld
Die 7D fokussiert nun auf das neue, näher an der Kamera und unter dem vom Nutzer ausgewählten AF-Startfeld liegende Objekt.
1:Nachführpriorität
Die Kamera ignoriert das neue Objekt und das Startfeld und setzt die AF-Nachführung des ersten Motives weiter fort.
Meine Einstellung in der Praxis ist fast ausschließlich Option “1″. Viele zu groß wäre mir sonst die Gefahr, den Fokus auf das Motiv auf Grund eines Hindernisses zu verlieren.

C.Fn III / 7 “Manuelles AF-Feld Wahlmuster”

diese Funktion beschreibt eigentlich kein Muster, sondern einfach das Verhalten, was passieren soll, wenn bei der Auswahl eines einzelnen AF-Messfeldes der Nutzer an ein äußeres Feld gelangt. Dann kann er bei
0:Stoppt an Rand v. AF-Ber.
nur bis zu diesem Randfeld und nicht weiter wählen oder bei
1:Reihenauf.
über den Rand hinweg auswählen. Dann ist das nächste ausgewählte AF-Messfeld das direkt gegenüberliegende.
Option “1″ bringt also im Prinzip eine Endlosschleife ins Spiel – auch wenn ich immer nur den Multicontroller zur AF-Feldwahl nach rechts drücke, ist irgendwann wieder das Feld links außen gewählt, weil die Auswahl im Prinzip wieder von links startet. Der praktische Nutzen ist für mich eher gering und ich kann mir nicht vorstellen, davon Gebrauch zu machen, da mir die Gefahr, in der Arbeitshektik den Multicontroller einmal zu oft zu drücken und über das Ziel hinaus zu schießen viel zu groß ist.

C.Fn III / 12 “AF-Messfeld Ausrichtung”

Mit Ausrichtung ist hier nicht etwa irgendeine Eigenschaft der AF-Messfelder gemeint, sondern die Ausrichtung der Kamera. Kurz gesagt lässt sich mit dieser Funktionseinstellung festlegen, das die Kamera in verschiedenen Ausrichtungen verschiedene AF-Messfeldwahlmodi benutzt. Aktiviert man also
0:Dasselbe für vertik./horiz.
ändert die Kamera die Einstellungen nicht. Es wird immer der AF-Feldwahlmodus weiter benutzt, der vor dem Drehen der Kamera eingestellt wurde. Also: befindet sich die Kamera im normalen “Landschaftsmodus”, also Querformat, und als AF-Messfeldwahlmodus wurde “Spot-AF” eingestellt, so wird dieser Modus auch nach dem Drehen der Kamera in das Hochformat weiter benutzt. Das gilt natürlich für alle Modi.
Die Option:
1:Verschied. AF-Messfeld. wählen
dagegen ermöglicht es, für jede Kameralage einen anderen Modus einzustellen. Dieser wird jedesmal, wenn die Kamera entsprechend gedreht wir, wieder übernommen. Die 7D kennt dabei übrigens drei verschiedene Lagen: Querformat, Hochformat mit Auslöser oben und Hochformat mit Auslöser unten. Dabei wird aber nicht nur der AF-Messfeldwahlmodus übernommen, sondern auch das ausgewählte AF-Feld! Diese Option ist für mich wesentlich interessanter. So kann ich zum Beispiel vor einem Portraitshooting festlegen, das in allen drei (oder eher zwei) Kameraausrichtungen immer das rechte AF-Feld aktiv ist.
Die Einstellungen in den einzelnen Lagen nimmt man einfach in der jeweiligen Lage vor, sie werden dann automatisch gespeichert
In der Praxis ist das ein hochinteressante Möglichkeit, Einstellzeiten während eines Shootings zu verkürzen, indem man die Kamera vorkonfiguriert. Für mich persönlich ist dabei, wie bereits erwähnt, die Möglichkeit der Voreinstellung des aktiven AF-Messfeldes wichtiger als die Festlegung des AF-F-Messfeldwahlmodus. Aber da hat sicher jeder Fotograf seinen eigenen Vorstellungen!

Fazit

Canon hat dem 7D-Benutzer hier mächtige Konfigurationsmöglichkeiten an die Hand gegeben, um den AF an die persönlichen Bedürfnisse anzupassen. Diese sollten auch unbedingt genutzt werden! Natürlich braucht nicht jeder Fotograf alle Einstellmöglichkeiten, aber es wäre doch schade, das Potential der Kamera eventuell nicht zu nutzen.

 

Weiterlesen:

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