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Autofokus

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EOS 7D Praxis – Autofocus

09.10.2009

Der neue Autofokus

Als langjähriger Canon-Benutzer außerhalb der 1D-Profimodelle muss ich hier komplett umdenken. War es mit allen bisherigen nicht-1er-Modellen ein reines Lottospiel mit meist vorbestimmt schlechtem Ausgang, alle AF-Felder gleichzeitig mit automatischer Auswahl durch die Kamera zu benutzen, spielt die 7D in einer anderen Liga. Ich habe mir zunächst per Individualeinstellung “C-Fn III/6″ alle verfügbaren AF-Wahlmodi zur Benutzung freigeschaltet. Nun kann ich nach einmaligem Drücken der rechten Daumentaste mit der M-Fn-Taste direkt neben dem Hauptwahlrad (am Auslöser) durch die einzelnen AF-Wahlmodi durchschalten. Also folgendes Prozedere:
- rechte Daumentaste drücken,
- M-Fn drücken –> Alle AF-Felder aktiv
- M-Fn drücken –> Zonen-AF
- M-Fn drücken –> AF-Feld Ausweitung
- M-Fn drücken –> AF-Einzelfeldwahl
- M-Fn drücken –> AF-Einzelfeldwahl mit Spot-AF-Funktion
Nach der Auswahl des AF-Wahlmodus wird dieser übernommen, ich muss dazu keine Bestätigung drücken. Also mit einem leichten Druck auf den Auslöser verwendet die Kamera die AF-Felder nach der nun eingestellten Methode. Dazu mehr im Kasten rechts.
Zusätzlich zu den neuen AF-Messfeld-Wahlmodi bietet der Autofokus der 7D noch weitere Besonderheiten und Einstellmöglichkeiten. So lässt sich per “C-Fn III/1″ einstellen, wie schnell der AF auf Motivänderungen reagiert. Auch wenn theoretisch ein möglichst schnelles Reagieren sinnvoll erscheint, kann das kontraproduktiv sein, wenn z.B. ein fremdes Objekt durch das Bild bewegt wird. Deshalb lässt sich die Reaktion des Autofokus in fünf Stufen einstellen, von ganz schneller Reaktion auf jede Bewegung bis hin zur langsamen Reaktion, bei dem der AF nicht sofort auf jede Veränderung anspricht. Auch die Individualfunktion “C-Fn III/3″ geht in diese Richtung. Hier legt der Fotograf fest, was passiert, wenn bei der Motivverfolgung plötzlich ein neues Objekt unter dem AF-Hauptmessfeld (also dem Feld, mit dem in den Methoden “Automatische Wahl” und “Zonen-AF” der Autofokus gestartet wurde) plötzlich ein anderes Objekt erscheint. Der AF kann nun auf Wunsch entweder auf dem alten Motiv verharren oder zum neuen Objekt wechseln und diese nun verfolgen.
Weitere Funktionen des AF sind bereits von anderen aktuellen Canon Spiegelreflexkameras bekannt, zum Beispiel die Möglichkeit der AF-Microjustage für bestimmte Objektive.

In der Praxis
konnte ich heute in freier Wildbahn ein paar Eichelhäher beobachten, die emsig Eicheln von einem Baum pflückten und mit diesen im Schnabel offensichtlich zu ihren Winterdepots flogen. Eine sehr gute Testmöglichkeit für die Leistungsfähigkeit des AF und vor allem die Motivverfolgung.
Das Ergebnis hat mich trotz hoher Erwartung noch überrascht. Ich hatte nur ein fehlfokussiertes Bild – und das entstand definitiv dadurch, dass ich den Vogel aus dem Bereich der 19 Messfelder verlor. Es ist aber auch nicht ganz leicht, mit einem 500er Tele aus der Hand ruhig einen Eichelhäher zu verfolgen. Jedenfalls für mich – der Kamera hat es nichts ausgemacht!
Ich kann nach den paar Tagen, die ich mit der 7D jetzt fotografiert habe, schon ganz sicher sagen, dass der Autofokus hervorragend funktioniert und uns bei der Erfüllung einiger Aufgaben voranbringen wird.

Die neuen AF-Messfeld-Wahlmodi im Detail:

1. Alle Felder aktiv = “Automatische Wahl: 19 AF-Messfelder”
Diese eigentlich wohlbekannt klingende Methode funktioniert an der 7D anders als an den bisherigen Zweistelligen Modellen oder der 5D und5DMkII. Dort hat man nur die Möglichkeit, entweder der Kamera komplett die Entscheidung zu überlassen, welches AF-Feld oder welche AF-Felder das Motiv treffen und worauf damit scharf gestellt wird oder  man kann ein einzelnes AF-Messfeld auswählen.
Die 7D ist da grundlegend anders: auch bei dieser Methode lege ich mit dem Multicontroller über dem Daumenrad den AF-Einstieg fest. Das heißt: ich “sage” der Kamera, unter welchem AF-Feld das Motiv liegt. Hat sich der Autofokus an diesem Motiv festgebissen, verfolgt er unter Zuhilfenahme aller 19 AF-Messfelder dieses Motiv. Bei den bisherigen Modellen wurde der Kamera die Entscheidung überlassen, wo überhaupt der AF einsteigen soll, und das geht nach meiner Erfahrung fast immer schief. Die 7D merkt sich dazu immer das letzte in dieser Methode präferierte AF-Messfeld, die Wahl eines anderen Feldes in einer anderen Methode wirkt sich darauf nicht aus. Wenn die Kamera aber unter dem ausgewählten Messfeld nichts findet, geht sie zur automatischen Wahl über und sucht normalerweise das am nächsten zum Fotografen liegende Objekt.
Die Objektverfolgung in dieser Methode funktioniert ganz hervorragend. Kein Vergleich zu den anderen hier genannten Canon-DSLRs. So konnte ich einen sehr schnell fliegenden Eichelhäher aus recht großer Entfernung sicher im Fokus behalten. Die Kamera übergab dabei das Motiv zuverlässig von einem AF-Messfeld an ein anderes.

2. Zonen-AF = “AF-Messfeldwahl in Zone”
Diese Methode funktioniert absolut genauso wie die Automatische Wahl mit allen AF-Feldern, nur in 5 vorgegebenen “Zonen”, also Gruppierungen von AF-Feldern. Der einzige Grund dafür ist, das sich der AF nicht durch Objekte ablenken lassen kann, die vom Fotograf nicht fokussiert werden wollen, aber eventuell unter einem AF-Messfeld außerhalb einer solchen Zone liegen. Man kann also zum Beispiel an einem Hindernis vorbeifotografieren, ohne die Kamera nach dem Fotografieren für den korrekten Bildausschnitt zu verschwenken.

3. “AF-Feldausweitung”
In dieser Methode wählt der Fotograf immer ein einzelnes AF-Messfeld. Doch diese wird nicht allein zum Fokussieren benutzt, sondern auch die horizontal und vertikal benachbarten. Das sind je nach Lage des ausgewählten Feldes vier (mittlere Messfelder) bis zwei (diagonales Randfeld) zusätzliche AF-Messfelder.

4. “Einzelfeld-AF”
Die klassische und bisher einzig sichere Methode. Hierbei wird ein einzelnes AF-Messfeld ausgewählt und es ist am Fotografen, dafür zu sorgen, dass es sich auch immer schön auf dem Motiv befindet. Verwackeln wird mit Fehlfokus bestraft. Aber: mit dieser Methode lässt sich natürlich sehr schön durch Hindernisse hindurch oder auf kleine Motive scharfstellen.

5. “Spot-AF”
Eine Spezialität der 7D und eine Verschärfung der Einzelfeldwahl: hier wird nicht das komplette klassische AF-Messfeld, das der Fotograf ausgewählt hat, sondern nur ein kleinerer Teil davon zum fokussieren benutzt. Das erhöht die Möglichkeiten beim Zielen durch Hindernisse aber auch die Fehleranfälligkeit. Es ist noch schwieriger, den AF-Punkt sicher auf einem Motiv zu halten.

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