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Bedienung

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EOS 7D Praxis – Bedienung

10.10.2009

Haptik und Bedienung

Die 7D fühlt sich größer, massiver und kantiger an als die 40D und auch die 5D. Mich irritiert auch manchmal die Gestaltung der Griffwülste für die rechte Hand, diese sind „eckiger“ als bei den anderen genannten Kameras. An der hinteren Wulst denke ich manchmal, der Deckel für den Speicherkartenschacht ist nicht richtig geschlossen und steht noch etwas nach hinten über. Insgesamt liegen mir die anderen Modelle etwas besser in der Hand – aber es ist Jammern auf hohem Niveau, die Unterschiede sind sehr gering. Die Neue macht nicht nur haptisch einen sehr soliden, wertigen und hochwertigen Eindruck und ist, soweit ich das bis jetzt einschätzen kann – hervorragend verarbeitet. Ich vermisse bei der 7D auch weniger den Batteriegriff (Original Canon: BG-E7) beim Querformat-Fotografieren, mein kleiner Finger hängt unten nicht so in der Luft. Für Hochformat-Fotos oder zur Verlängerung der Laufzeit werde ich mir aber sicher einen anschaffen.

Grundsätzlich hat Canon an der Bedienung im Vergleich zu den kleineren Modellen einiges verändert und sich vorsichtig den 1er Modellen angenähert. So lassen sich nun in einem sehr übersichtlichen Menü fast alle Schalter und Knöpfchen an der Kamera mit verschiedenen Funktionen belegen. Canon stellt dabei für jeden Schalter einige Funktionen zur Verfügung, eine komplett freie Auswahl ist nicht möglich. Zum Beispiel lässt sich die Abblendtaste vorn am Bajonettsockel mit einer Funktion aus einer Auswahl von fünf belegen, während der Multicontroller nur eine Funktion (außer im Bildbetrachtungsmodus) übernehmen kann: die manuelle Auswahl eines AF-Feldes. Wahrscheinlich will Canon mit dieser und einigen anderen kleinen Einschränkungen den Abstand zu den 1D-Modellen wahren und auch verhindern, das Nichtprofis überfordert werden und sich die Kamera „kaputtkonfigurieren“.
Bei der Bedienung sind mir Kleinigkeiten aufgefallen, die nach meiner Meinung besser gelöst sein könnten. Die Lage des neuen M-Fn-Buttons zwischen Auslöser und Haupteinstellrad finde ich etwas unglücklich. Ich muss – mit meinen durchschnittlich großen Händen – den Zeigefinger schon arg strecken, um ohne Umgreifen dorthin zu gelangen. Meine Freundin mit ihren kleinen Händen kann ihn quasi nicht bedienen. Ich sehe auch keinen Grund, warum er Schalter soweit links, also weit außerhalb der Achse Auslöser/Hauptrad liegen muss. Er unterscheidet sich haptisch so deutlich vom Auslöser, dass eine Fehlbedienung auch dann ausgeschlossen ist, wenn er genau auf der Achse der beiden anderen Elemente liegen würde.
Ebenfalls störend finde ich die Prozedur, die zur Auswahl des AF-Feldwahlmodus erforderlich ist. Mit dieser Auswahl legt man fest, wie der Autofokus mit den AF-Messfeldern umgeht (siehe oben). Diese Auswahl muss unter Umständen sehr schnell erfolgen, zum Beispiel das Umschalten zwischen Zonen-AF und Spot-AF, wenn der Vogel, den ich eben im Flug verfolgt habe, nun im Strauchwerk gelandet ist und ich ihn, bevor er gänzlich darin verschwindet, dort noch erwischen möchte.

Um vom Zonen-AF in den Spot-AF zu wechseln, muss ich zunächst auf die „Taste für die Messfeldwahl“ einmal drücken (das ist die Daumentaste rechts außen), um in das Menü zum Wechseln zu gelangen. Erst jetzt kann ich durch mehrmaliges Drücken der M-Fn Taste durch die AF-Feldwahlmodi schalten, bis ich zum gewünschten Modus gelangt bin. In diesem speziellen Fall bedeutet das:

 

1. „Taste für die Messfeldwahl“ drücken à im Sucher wird angezeigt, das ich im Modus „Zonen-AF“ bin2009_10_10-0007_7D

2. Taste M-Fn drücken à ich wechsle von „Zonen-AF“ auf „Einzelfeld-AF“,

3. Taste M-Fn drücken à Wechsel auf „Spot-AF“

 

 

 

Zumindest den ersten Schritt könnte man sich meines Erachtens sparen, wenn sich die Funktion „Wechsel des AF-F-Feldwahlmodus“ direkt auf eine der Tasten legen lassen könnte. Da ich z.B. zur Auswahl eines AF-Messfeldes ausschließlich den Multicontroller benutze – der übrigens ganz hervorragend, sehr direkt und präzise und damit noch besser als an 40D und 5D funktioniert – hat die „Taste für die Messfeldwahl“ gar keine andere Funktion oder Doppelbelegung. Ich könnte also ohne weiteres direkt aus dem Fotografieren heraus durch Drücken dieser Taste zwischen den AF-Feldwahlmodi wechseln.

Neu ist auch die Taste „Q“ oben links über dem Rückdisplay. Damit gelangt man sofort in das Einstellmenü für die Grundfunktionen. Dabei handelt es sich um das Menü, welches an den vier- und dreistelligen Canon EOS-Modellen wie 1000D und 500D mangels eines LCD auf der Kamera die Funktion des Info-Displays übernimmt. Damit lassen sich viele Funktionen wie Belichtungsausgleich, ISO, Serienbild etc. per Multicontroller auswählen und mit den beiden Einstellrädern verändern.
Links neben dem Okular befindet sich ein Taster, der zwar darunter immer noch ein „Direct Print“ Icon trägt, aber selbst mit der Aufschrift „RAW JPEG“ bedruckt ist. Diesen hat Canon für die ganz interessante Funktion „One-Touch RAW-JPG“ gedacht. Und die funktioniert folgendermaßen: sofern mit der Kamera gerad ausschließlich in RAW fotografiert wird, nimmt die Kamera nur beim nächsten Auslösen ein JPG mit auf. Umgekehrt, wenn gerade in JPG fotografiert wird: dann ist es ein RAW, welches zusätzlich mit gespeichert wird. Das funktioniert mit Einzelaufnahmen, aber auch mit Weißabgleichs- und Belichtungssequenzen. Zur Anzeige der Funktion blinkt im oberen LCD die „JPG RAW“ Anzeige.

Insgesamt finde ich, dass Canon die neuen, teils deutlich umfangreicheren Funktionen gut in das bewährte Bedienkonzept integriert hat. Mir stellen sich nach ein paar Tagen Benutzung keine großen Fragen mehr, alles ist logisch und bereits bei mir automatisiert.
Nach Hinweisen von Foto2009_10_10-0012_7Dfreunden aus dem DSLR-Forum noch Folgendes: die für die meisten Anwender wohl eher nutzlose Abblendtaste, die wie bei Canon üblich links am Sockel des Objektivbajonettes liegt, kann bei der 7D erstmals mit einer anderen Funktion belegt werden. Fotografen, die die Kamera nicht mit vom Auslöser getrennten AF benutzen, haben hier die Möglichkeit, temporär zwischen Servo-AF und One Shot-AF umzuschalten. Das funktioniert wie folgt:
- Tastenbelegung per „C-Fn IV/1: Operation/Weiteres Custom-Steuerung“ für die Abblendtaste (wird grafisch durch eine Blende dargestellt) von der Standardeinstellung „Abblenden“ (wieder durch Blende dargestellt) auf „One Shot ßà AI Servo ändern
- jetzt beim Fokussieren zum kurzeitigen Ändern der Fokusart die Abblendtaste gedrückt halten. Die Umstellung ist nur für die Zeit des Drückens aktiv und wird beim Loslassen wieder auf die an der Kamera eingestellte Methode zurückgesetzt. Wenn der Fotograf also die 7D auf „One Shot“ eingestellt hat und nun ein bewegtes Motiv einmalig mit „AI Servo“ fokussieren möchte, muss er dazu nur die Abblendtaste gedrückt halten. Diese Funktion lässt sich auch zusätzlich oder allein auf eine Taste an entsprechend ausgerüsteten Teleobjektiven legen.

Ich persönlich empfehle allerdings jedem Fotografen, den Fokus vom Auslöser komplett zu trennen. Dadurch ist ein Umstellen zwischen „AI Servo“ und „One Shot“ überhaupt nicht nötig. Mehr dazu demnächst in einem anderen Text.

2009_10_10-0014_7DIn der Praxis sehen meine Einstellungen an der 7D folgendermaßen aus (in Klammern die Bezeichnung der Belegung in C-Fn IV/1):
- Auslöser Stufe 1: Belichtungsmessung (Messung Start). Den AF habe ich hier deaktiviert, der leigt auf “AF-ON”
- AF-ON: Autofokus und Belichtungsmessung (Messung und AF Start). Hier gehört der AF hin. Allerdings gefällt es mir nicht ganz so toll, das Canon die klassische Methode, hier nur den AF unabhängig von der Belichtung abzulegen, gegen eine kombinierte Funktion “AF und Belichtung” getauscht hatte. Dadurch werde ich unnötig gezwungen, die Belichtungsspeicherung öfter zu benutzen.
- Sterntaste:Belichtungsspeicherung (AE-Speicherung, *). Standardbelegung. Die Speicherung ermöglicht mir das Ausmessen einer Lichtsituation und anschließendes Verschwenken, ohne das sich die Belichtung verstellt.
- Abblendtaste: Umschaltung AF Servo zu One Shot oder umgekehrt (ONE SHOT <– –> AI SERVO). Siehe Text weiter oben.
- AF-Stopp-Taste am Objektiv: Umschaltung AF Servo zu One Shot oder umgekehrt (ONE SHOT <– –> AI SERVO). Siehe Text weiter oben.
- M-Fn-taste: Wasserwaage im Sucher (Sucher elektr. Wasserwaage). Aktiviert die Wasserwagenfunktion, bei der über die AF-Indikatoren im Sucher eine Wasserwaage simuliert wird.
- SET-Taste im Daumenrad: Menü für die Kameraeinstellungen (Menüanzeige). Diese Funktion liegt zwar bereits auf der “MENU”-taste links neben dem Display, für mich ist es aber einfach ergonomischer und schneller, die “Set”-Taste zu benutzen.
Beide Daumenräder und den Multicontroller zur manuellen AF-Feldwahl habe ich nicht umkonfiguriert.

Weiterlesen:

Start

Autofokus

Auto-ISO

Sucher Teil 1

Sucher Teil 2

AF-Feintuning