Naturbilder Digital

Mein erster Eisvogel

September 2006

(Frank Düring)

Schon länger hatte ich beim Fahrradfahren auf einer Weide bei einem nahegelegenen Ponyhof Reiher in einer wassergefüllten Senke beobachtet. Doch sie ließen mich nie näher als etwa 200 Meter herankommen.
Da beschloß ich, mir vom Besitzer die Erlaubnis zum Aufstellen meines Tarnzeltes zu holen. Er war sofort bereit, mir diese zu geben. Ich versprach ihm dafür auch ein paar Fotos.
Wenige Tage später machte ich mich um 5.00 Uhr früh auf den Weg. Als ich am Wasser ankam, saßen dort schon die Reiher und fischten. Mist, damit hatte ich in der Dunkelheit nicht gerechnet. Als mein Tarnzelt stand, waren die Reiher natürlich verschwunden.
Aber vielleicht würden sie sich ja beruhigen und wieder zurückkommen, oder es könnten “neue” Reiher auftauchen, die von meiner Aktivität nichts mitbekommen hatten. Also wartete ich geduldig, schließlich war ja auch noch kein gescheites Licht.

IMG_7386wNach ungefähr einer Stunde hörte ich hinter mir einen langgezogenen Pfiff – “ein Eisvogel !!!” – schoss es mir durch den Kopf. Denn ich hatte schon ein Jahr vorher hier zweimal einen vorbeifliegen sehen.

Dann sah ich den Vogel, als er versuchte, von vorne auf meinem Zelt zu landen, um dann sofort wieder weiter zu fliegen.

Eine Viertelstunde später wiederholte sich das Ganze noch einmal under er verschwand wieder.

“Wo soll er sich denn hier vor mir im Wasser setzen können?”, dachte ich, “vielleicht dort rechts vorne auf dem Wurzelstumpf, der ca. 7 Meter vor mir aus dem Wasser ragt? Das wäre ja zu schön”, ging es mir durch den Kopf.

Tatsächlich setzte er sich beim dritten Anflug auf dieses Stück Holz und blieb sitzen. Wahnsinn, das hätte ich mir nie träumen lassen.

Jetzt bloß nicht hektisch werden, nur gaaanz ruhig, nur nicht das Vögelchen verscheuchen. Ich zitterte vor Aufregung und fürchtete schon, dass ich trotz Stativeinsatz alles verwackeln würde. Na ja, ganz scharf sind die ersten Bilder dann auch wirklich nicht geworden.

Vor lauter Aufregung und Freude vergaß ich zunächst total, die Spiegelung des Vogels auf der Wasseroberfläche mit ins Bild zu nehmen. Erst später, da saß er allerdings nicht mehr so schön, fiel mir das auf.

 

 

 

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In den nächsten Wochen war ich regelmäßig bei “meinem” Eisvogel (Er ist übrigens eine Sie, erkennbar an der roten Schnabelunterseite).
Einmal war ich mit meinem Sohn dort und auch das eine oder andere Mal mit Thomas oder Ralf, sodass die beiden auch endlich einmal Fotos vom Eisvogel machen konnten.
Die Dame war wirklich immer sehr zuverlässig. Kaum stand das Tarnzelt, hörten wir auch schon eine Viertelstunde später den typischen Pfiff und der Vogel flog vorbei. Kurz darauf setzte er sich in max. 10 bis 15 Metern Entfernung auf einen Ast. Das war fast immer so, als ich dort hinkam. So konnten wir alle recht schöne Aufnahmen von diesem wunderschönen scheuen Vogel machen.
Er nahm sogar einen der drei Zweige an, die ich ihm als Sitzwarte in den Grund der Senke gesteckt hatte, leider aber nur den am weitesten entfernten, den ich für Morgenaufnahmen auf der gegenübeliegenden Seite aufstellte.
Dann, nach den Herbstferien im letzten Jahr, es war endlich einmal wieder besseres Wetter, wollte ich meine Eisvogeldame wieder besuchen. Von weitem sah es schon irgendwie mekwürdig aus, ich konnte da aber noch nicht sagen warum.
Als ich näher kam, sah ich was es war: Die ganze Senke war ausgetrocknet !!!!!! KEIN EISVOGEL weit und breit. Ich war geschockt und enttäuscht und zutiefst traurig. Als ich das direkt per Handy dem Thomas und dem Ralf mitteilte, fielen sie auch aus allen Wolken.

IMG_8417wSeither habe ich leider keinen Eisvogel mehr gesehen, an den ich so nah heran konnte.

Dieser Tage hörte ich aber, das schon öfters an einem Bach ganz in der Nähe meines Hauses ein Eisvogel war. Das werde ich mir einmal näher ansehen und dann erarbeiten.

 

Reiher habe ich übrigens an der Senke bis heute keine aufgenommen.

 

 

 

 

 

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